CATHARINA BOND und JULIA GAISBACHER

 

Wo ist eigentlich diese Maysedergasse?

Eine Aussage die, auf den ersten Anklang hin, aus einem touristischen Kontext stammen könnte. Die hilfesuchende Frage eines/r Orientierungslosen an eine ortskundige Person. Jedoch wirkt das Adjektiv „eigentlich” etwas befremdlich. Unter Anderem definiert der Duden „eigentlich” einerseits als „im Grunde, genau genommen”,  andererseits steht es für eine „Wirklichkeit (im Unterschied zum äußeren Anschein)”. Diese bereits im Titel eingeschriebene Dualität thematisiert die Auseinandersetzung und unterschiedlichen Herangehensweisen von Catharina Bond und Julia Gaisbacher. Für die Künstlerinnen sind beide möglichen Fragestellungen von Bedeutung. Sie beabsichtigen, anhand der ausgestellten Arbeiten, auf die „im Grunde genau genommene Wirklichkeit” der divergenten Strukturen in der Maysedergasse und ihres Umfelds aufmerksam zu machen und thematisieren dadurch die Hierarchisierung von Orten.

Hinter der Wiener Oper und dem Café Sacher sowie zwischen Kärntnerstraße und Albertina gelegen, ist die Maysedergasse eine anonyme Seitengasse und bildet einen Hinterraum für die, sie umgebenden weltbekannten, historisch geprägte, touristische Szenerie der innerstädtischen Einkaufs-Meile. Der nahezu nicht präsente Ausstellungsraum und Standort der 1910 gegründeten Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs wirkt in dieser Lage mittlerweile wie ein Elfenbeinturm, wird hier doch das der umgebenden Kulturlandschaft konträre Anliegen verfolgt „eine neue, lebendige Verbindung zwischen der historischen Auseinandersetzung und der zeitgenössischen, queeren, feministischen Kunstproduktion herzustellen”. 

Die Fotografien von Catharina Bond verhandeln historische und daraus gewachsene genderspezifische Strukturen, welche der Maysedergasse und ihrer unmittelbaren Umgebungimmanent sind. Die performativen Inszenierungen reflektieren, in einer ironischen, kritischen Auseinandersetzung den Ausstellungsraum der VBKÖ als theatralen Ort, sowie auch das Umfeld des Gebäudes mit seinen eingeschriebenen sozialen Strukturen, Hierarchien und geschichtlich geprägten Stereotypen.

Julia Gaisbachers Fotoserie „Public Exercise” verbindet Fassade und Hinterhof, das architektonische Außen und Innen. Die Künstlerin nutzt den Raum des Gebäudeinnenhofes und des Daches, der einer breiten Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich ist, als Bühne. Wenn die Fassade durchschritten wird, öffnet sich der BetrachterIn eine konträre „Versorgerkulisse” in der dieKünstlerin droht abzurutschen, sich auf einen Sprint über die Dachlandschaft vorbereitet oder gerade hindurch wirbelt. Ihren eigenen Körper bringt sie in die Szenerie ein, um mit diesem den Raum als solchen zu erfahren und erfahrbar zu machen.

Anhand installativer und bildlicher Kommentare hinterfragen die beiden Künstlerinnen die parallele Existenz dieser nebeneinander herrschenden Ordnungen in der Maysedergasse. Und stellen die Frage danach, ob es nun eigentlich die Rezeption der zur Schau gestellten Objekte ist, welche den Unterschied ausmacht?  

 2014, Sofie Mathoi, Kunsthistorikerin

 

 

 

Where is this Maysedergasse actually?

In this exhibition I collaborated with my colleague, Julia Gaisbacher, to explore the location of our studio within the VBKÖ (Association of Austrian women artists) in Vienna, founded in 1910. Located behind the Vienna Opera, the Café Sacher and between Kärntnerstraße and Albertina Museum, Maysedergasse is an anonymous alleyway and forms a back room within this crowded touristichotspot of Vienna’s most expensive shopping area. It acts almost as an ivory tower, as the VBKÖ (despite the very traditional cultural landscape that surrounds it) tries to pursue a new and vibrant connection between the historical debate and the contemporary, queer, feminist art production.  

Catharina Bond

 

“The photographs of Catharina Bond negotiate historical, gender-specific structures which are immanent to the association and its immediate surroundings. Her performative works are staged to reflect an ironic, critical analysis not only of the exhibition space of the VBKÖ as a theatrical place, but also the environment of the building with its social structures, hierarchies, and historically evolved stereotypes.”

2014, Sofie Mathoi, art historian